Störche bei Büttelborn

 

Viele Störche bei Büttelborn – und das auch mitten im Winter

  

Falls Ihnen auch die Vielzahl von Störchen aufgefallen ist, die sich – trotz des Winters - in der Umgebung von Büttelborn aufhalten, so ist das keine Fata Morgana, sondern Realität. So haben sich Mitte des Winters 2018/2019 bis zu 120 Weißstörche rund um Büttelborn versammelt. Straßenlaternen wurden als Übernachtungsplätze gerne angenommen, sodass teilweise jede der Büttelborner Laternen an der Kreisstraße Richtung Griesheim mit einem Storch „belegt“ war. 

 

Und selbst die Kirche inmitten des Ortes wird offenbar gerne als Übernachtungsplatz gewählt.

Foto: NABU Büttelborn [or]
Foto: NABU Büttelborn [or]
Foto: NABU Büttelborn [or]
Foto: NABU Büttelborn [or]

Die Anzahl der Weißstörche in Hessen nimmt in letzter Zeit stark zu. So gab es 2014 rund 380 Brutpaare, im Jahr 2019 waren es bereits 740 . Der Landkreis Groß-Gerau scheint bei Störchen sehr beliebt zu sein. So gab es hier 2017  236 Brutpaare, die fast 500 Jungen flügge werden ließen. Das Rhein-Main Gebiet zwischen Wiesbaden und der Bergstraße hat mit rund 60% aller Störche ohnehin einen hohen Anteil an der Gesamtpopulation Hessens.

Erklärung: die gelben Balken zeigen die ungefähre Anzahl der Brutpaar ein Hessen 

Graphik: NABU Büttelborn [ck]. Quelle: VSW Frankfurt/Main

 

Große Ansammlungen von Störchen im Umfeld der Büttelborner Mülldeponie sind nichts Ungewöhnliches. Auf der Deponie gibt es noch ein Restmüll-Zwischenlager, wo - bei Bedarf - die Darmstädter Mülldeponie "zugefüttert" wird. Endabgelagert darf in Büttelborn, wie anderswo auch, nur thermisch behandelter Müll bzw. Schlacke aus der Müllverbrennung.

Foto: NABU Büttelborn [or]
Foto: NABU Büttelborn [or]
Foto: NABU Büttelborn [or]
Foto: NABU Büttelborn [or]

Im Spätsommer treten in Büttelborn regelmäßig Ansammlungen von mehr als 200 Tieren auf. Es gab auch schon Zählungen von mehr als 300, einmal sogar rund 500 Vögel. Büttelborn ist der wichtigste Sammelpunkt von Weißstörchen in der Bundesrepublik Deutschland. Die Tiere halten sich häufig im Umfeld der Deponie auf, oder sie sind im NABU Schutzgebiet „Bruchwiesen bei Büttelborn“ zu beobachten.

 

Wurden früher fast nur künstliche Nisthilfen angenommen, so weichen Störche in den letzten Jahren auch zunehmend auf natürliche Brutgelegenheiten wie abgebrochene Stümpfe alter und hoher Bäume aus. Hier brüten sie im Umfeld der Altneckarschlingen manchmal sogar in Kolonien mit bis zu zehn Nestern in unmittelbarer Nachbarschaft. Die Gemeinde Büttelborn beherbergt regelmäßig über 20 Brutpaare und gehört somit zu den wichtigsten Störchendörfern Deutschlands. In den letzten Wintern gab es eigentlich immer eine Anzahl von Weißstörchen, die sich aufgrund der anhaltend warmen Witterung im Umfeld Büttelborns aufhielten. Wenn das vorherrschende Winterwetter spürbar kälter wird, ist mit einer Abwanderung von Störchen zu rechnen.

Foto: NABU Büttelborn [or]
Foto: NABU Büttelborn [or]
Foto: NABU Büttelborn [or]
Foto: NABU Büttelborn [or]

Eine detaillierte Untersuchung der Winterstörche bei Büttelborn im Winter 2018/19 (E.L. Achenbach 2020) zeigte, dass sich die Störche in größeren Trupps meist nördlich der B42 oder auf den Bruchwiesen bei Büttelborn aufhielten und vielfach um die Mittagszeit in Richtung Abfalldeponie abgeflogen sind. 

 

Anhand der Beringung an rund 50% der Tiere konnte ihr Geburts-/Beringungsort bestimmt werden. Danach stammten rund die Hälfte der Störche zwar aus Hessen, es gab jedoch auch Wintergäste aus der Schweiz, Frankreich und Belgien. Die weiteste Entfernung zwischen dem Geburtsort und Büttelborn betrug dabei rund 500 km.

 

Der dargestellte Ring ("DEW") weist darauf hin, dass der Storch in dem Gebiet der Vogelschutzwarte Helgoland (Wilhelmshaven) beringt wurde. 

Weitere Details zu der Untersuchung von Herrn Achenbach [ab Seite 59] und weitere interessante Themen (z.B. Feldlerchen, Kiebitze etc.) finden Sie unter dem diesem link.

Übrigens, wie eine Beringung zweier Jungstörche in luftiger Höhe aussieht, können Sie in diesem Video sehen.


Bemerkenswert war auch die Erkenntnis, dass es fast keine Jungstörche (d.h. Tiere die im selben Jahr oder im Vorjahr geboren wurden) im Winter hier bei uns gibt. Damit ist klar, dass junge Tiere am Ende des Sommers in Richtung Süden fliegen.

 

Als "Winterstörche" bezeichne Fachleute diejenigen Tiere, die zwischen Mitte November und Mitte Januar hier bei uns bleiben - und deren Zahl ist zwar relativ stark schwankend, nimmt jedoch stetig zu. Einen Zusammenhang zwischen der Mittleren Temperatur in diesem Zeitraum und der Zahl von "Winterstörchen" scheint es aber nicht zu geben (siehe Diagramm). Es wird vermutet, das u.a. Klimaveränderungen einen Einfluss auf das Verhalten der Tiere haben könnten.  

Erklärung: die blauen Balken zeigen die ungefähre Anzahl der "Winterstörche" Deutschlands (die Datenlage für 2012/13 war leider unvollständig), die hellblaue Linie zeigt die Mittlere Temperatur der Monate Dezember/Januar/Februar in Frankfurt/Main

Graphik: NABU Büttelborn [ck]. Quelle: NABU BAG Weißstorchschutz & eigene Recherche

 

Sehr erfreulich hat sich der Gesamtbestand an Weißstörchen in der Bundesrepublik entwickelt.

 

Nach einem kleinen Knick im Jahr 2006 nahm die Gesamtzahl der Weißstörche kontinuierlich zu.

Erklärung: die blauen Balken zeigen die ungefähre Gesamtzahl von Weißstörchen in Deutschland

Graphik: NABU Büttelborn [ck]. Quelle: NABU BAG Weißstorchschutz

Das Gros der hessischen Störche zieht nach wie vor in südliche Richtung und überwintert in Spanien. Ein zunehmender Teil der Weißstörche macht allerdings nur noch sog. „Winterfluchtbewegungen“, wobei die Störche nur bei strengen Frost- oder Schneelagen nach Südwesten ausweichen.

  

Afrikazieher gibt es bei den westziehenden Störchen - im Gegensatz zu den ostziehenden Weißstörchen - nur noch ganz wenige. Diese wagen dann die Überquerung der Straße von Gibraltar. Die Zugwegverkürzung der Westzieher ist auch als Anpassung an den Klimawandel zu verstehen. Sie ist auch eine Hauptursache dafür, dass der westziehende Weißstorch stark zunimmt. Die ostziehenden Störche, also diejenigen die regelmäßig über den Bosporus ziehen, haben einen höheren Anteil an Langstreckenziehern und nehmen in ihren Beständen leider derzeit deutlich ab. Die Zugscheide zwischen ost- und westziehenden Störchen liegt übrigens ziemlich genau da, wo sich früher die deutsch-deutsche Grenze befand. (01/21 mw/ck) 


"Gewohnheitstier" DEW 4T796

Man kann ahnen, wie kalt es ist (Foto: R. Ziegler (privat))
Man kann ahnen, wie kalt es ist (Foto: R. Ziegler (privat))

Uns erreichte die Nachricht von Herrn Ziegler aus der Nähe von Brauschweig, dass "sein" Storch mit der Ringnummer DEW 4T796 am 14.01.2021 wohlbehalten an seinem angestammten Horst in Wendeburg-Zweidorf in der Nähe von Braunschweig  angekommen sei und nun auf seine Partnerin wartet.

 

Bemerkenswert daran ist, dass dies trotz der am 14.02.21 herrschenden Temperaturen geschah: an diesem Tag betrug die mittlere Temperatur in Brauschweig frostige -10,1 °C.

 

Störche können offensichtlich mehr verkraften als man glaubt.

Graphik: NABU Büttelborn [ck]
Graphik: NABU Büttelborn [ck]

Doch was hat er mit Büttelborn zu tun? Anlass genug für uns, ein paar mehr Informationen zu diesem Storch zu sammeln. 

 

DEW 4T796 scheint ein "Gewohnheitstier" zu sein: er wurde Ende Mai 2015 in Wendeburg-Wendezelle beringt und brütet seit mindestens 2019 ganz in der Nähe im Ortsteil Zweidorf.

 

Und, nun kommt das Erstaunliche, er überwintert nachweislich seit nunmehr drei Jahren in der Nähe von Büttelborn. Zuletzt wurde er zwischen Mitte September 2020 und Mitte Januar 2021 insgesamt 23 mal beobachtet.

Graphik: NABU Büttelborn [ck]
Graphik: NABU Büttelborn [ck]

Auf der jährlichen Pendelstrecke zwischen Büttelborn und Wendeburg gibt es offenbar einen Fixpunkt der angesteuert wird. Es ist die Abfalldeponie ALBA in der Nähe des Horstes.

 

Diese Informationen haben wir übrigens den Herren Achenbach und Usinger zu verdanken, die sich sehr für Störche engagieren.

DEW 4T796  in Büttelborn (Foto: H. Usinger)
DEW 4T796 in Büttelborn (Foto: H. Usinger)

DEW 4T796 im "Norden" (Foto: R. Ziegler (privat))
DEW 4T796 im "Norden" (Foto: R. Ziegler (privat))
DEW 4T796 im "Süden" (Foto: H. Usinger)
DEW 4T796 im "Süden" (Foto: H. Usinger)

Im Winter 2020/2021 gab es sogar eine Art "Familientreffen" in Büttelborn, denn es war sowohl die 2010 geborene Mutter als auch der 2013 geborene Bruder von DEW 4T796 zum Überwintern hier bei uns im Ried.


Wollen wir also hoffen, dass wir diesen (und andere) Winterurlauber noch recht häufig in der Nähe von Büttelborn sehen können. [ck 02/21]


Winterliche Impressionen rund um Büttelborn

Foto: NABU Büttelborn (OR)
Foto: NABU Büttelborn (OR)

Fotos: NABU Büttelborn [Carsten Ott] und [or]