Störche bei Büttelborn

 

Viele Störche bei Büttelborn – und das auch mitten im Winter

  

Falls Ihnen auch die Vielzahl von Störchen aufgefallen ist, die sich – trotz des Winters - in der Umgebung von Büttelborn aufhalten, so ist das keine Fata Morgana, sondern Realität. So haben sich Mitte des Winters 2018/2019 bis zu maximal 118 Weißstörche rund um Büttelborn versammelt. Straßenlaternen wurden als Übernachtungsplätze gerne angenommen, sodass teilweise jede der Büttelborner Laternen an der Kreisstraße Richtung Griesheim mit einem Storch „belegt“ war.

  

Große Ansammlungen von Störchen im Umfeld der Büttelborner Mülldeponie sind nichts Ungewöhnliches. Auf der Deponie gibt es noch ein Restmüll-Zwischenlager, wo - bei Bedarf - die Darmstädter Mülldeponie "zugefüttert" wird. Endabgelagert darf in Büttelborn, wie anderswo auch, nur thermisch behandelter Müll bzw. Schlacke aus der Müllverbrennung.

 

Im Spätsommer treten in Büttelborn regelmäßig Ansammlungen von mehr als 200 Tieren auf. Es gab auch schon Zählungen von mehr als 300, einmal sogar rund 500 Vögel. Büttelborn ist der wichtigste Sammelpunkt von Weißstörchen in der Bundesrepublik Deutschland. Die Tiere halten sich häufig im Umfeld der Deponie auf, oder sie sind im NABU Schutzgebiet „Büttelborner Bruchwiesen“ zu beobachten.

  

Wurden früher fast nur künstliche Nisthilfen angenommen, so weichen Störche in den letzten Jahren auch zunehmend auf natürliche Brutgelegenheiten wie abgebrochene Stümpfe alter und hoher Bäume aus. Hier brüten sie im Umfeld der Altneckarschlingen manchmal sogar in Kolonien mit bis zu zehn Nestern in unmittelbarer Nachbarschaft. Die Gemeinde Büttelborn beherbergt regelmäßig über 20 Brutpaare und gehört somit zu den wichtigsten Störchendörfern Deutschlands.

 

In den letzten Wintern gab es eigentlich immer eine Anzahl von Weißstörchen, die sich aufgrund der anhaltend warmen Witterung im Umfeld Büttelborns aufhielten. Wenn das vorherrschende Winterwetter spürbar kälter wird, ist mit einer Abwanderung von Störchen zu rechnen. Das Phänomen der „Winterstörche“ ist prinzipiell nichts Neues. Schon zu Beginn des letzten Jahrhunderts wurden in Hessen Störche im Winter beobachtet. Allerdings nie in den jetzt beobachteten Individuenzahlen.  Das Gros der hessischen Störche zieht nach wie vor in südliche Richtung und überwintert in Spanien. Ein zunehmender Teil der Weißstörche macht allerdings nur noch sog. „Winterfluchtbewegungen“, wobei die Störche nur bei strengen Frost- oder Schneelagen nach Südwesten ausweichen.

  

Afrikazieher gibt es bei den westziehenden Störchen - im Gegensatz zu den ostziehenden Weißstörchen - nur noch ganz wenige. Diese wagen dann die Überquerung der Straße von Gibraltar. Die Zugwegverkürzung der Westzieher ist auch als Anpassung an den Klimawandel zu verstehen. Sie ist auch eine Hauptursache dafür, dass der westziehende Weißstorch stark zunimmt. Die ostziehenden Störche, also diejenigen die regelmäßig über den Bosporus ziehen, haben einen höheren Anteil an Langstreckenziehern und nehmen in ihren Beständen leider derzeit deutlich ab. Die Zugscheide zwischen ost- und westziehenden Störchen liegt übrigens ziemlich genau da, wo sich früher die deutsch-deutsche Grenze befand.

 (NABU Büttelborn [mw])

 

 

 

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