Pflege von Orchideen Standorten bei Büttelborn


 

Die Biotope, an denen sich wildwachsende  Orchideen angesiedelt haben, haben vielfach eines gemeinsam: es sind meist kleinräumige, nährstoffarme, zu nasse oder zu trockene Standorte, die in der Regel zur land- oder forstwirtschaftlichen Nutzung nicht geeignet sind.

 

In einer stark landwirtschaftlich geprägten Kulturlandschaft wie dem hessischen Ried, sind solche Standorte zwar nicht sehr häufig zu finden, aber es gibt sie zum Glück noch vereinzelt. Sie mit ihren Bewohnern und Pflanzen (wie z. B. die bei uns vorkommende Orchideenarten) zu schützen und zu bewahren, gehört auch zu den Aufgaben des NABU Büttelborn.

 

Solch spezifische Standorte können nur durch gut angepasste Pflanzen besiedelt werden – und die Orchideen gehören ebenfalls dazu. Eine zeitweise Beweidung durch wandernde Schafe begünstigt ihr Wachstum an solchen Standorten.

 

Wo dies fehlt, sollte der Mensch eingreifen, um eine Verbuschung oder die Vermehrung konkurrenzstarker Gewächse (z. B. Gräser) zu verhindern. Auch ungewöhnliche Standorte wie z. B.: Straßenränder werden manchmal besiedelt.

 

Wichtig sind vor allem die örtlichen Bodenverhältnisse – Orchideen bevorzugen einen eher basischen Boden mit unterschiedlichen Kalkanteilen sowie die Existenz von Bodenpilzen. Treffen alle diese Faktoren für einen Standort zu, können Orchideen dort auch gut gedeihen. Auf Störungen reagieren diese sensiblen Bereiche allerdings vielfach mit einem dramatischen Rückgang der vorhandenen Arten.

 

Um dem entgegenzuwirken und diese schönen Pflanzen auch für die nächsten Generationen erhalten zu können, gibt es vielerorts Pflegepläne, die von unterschiedlichen Gruppen und Institutionen durchgeführt werden. Federführend ist hier bei uns der "Arbeitskreis Heimische Orchideen Hessen e.V.", mit dem der NABU Büttelborn eng zusammenarbeitet.

 

Alle in Europa vorkommenden Orchideenarten in freier Natur stehen unter strengem Schutz. Dies und die besonderen Ansprüche dieser Pflanzen an ihren Lebensraum, sollten für uns alle rund um Büttelborn Anlass für ein rücksichtsvolles und nachhaltiges Verhalten sein. 

Pflegemaßnahmen sind oft sehr arbeitsintensiv. Um beispielsweise wichtige Orchideenbiotope vor Wildschweinen zu schützen, ist die Errichtung von Schutzzäunen  unabdingbar.

 

Hier sind die ehrenamtlichen Helfer des "Arbeitskreises Heimische Orchideen e.V.", sowie Ortwin Ruschitschka gerade dabei, ein Orchideenschutzgebiet einzuzäunen.

Foto: NABU Büttelborn (ck)
Foto: NABU Büttelborn (ck)

 

Kleiner Knigge für Orchideenstandorte:

 

Bitte pflücken Sie keine Pflanze, die Sie nicht kennen - es könnte ja vielleicht eine Orchidee sein.

 

Bitte entnehmen Sie auch auf keinen Fall solche Pflanzen der freien Natur, um sie bei sich im Garten anzusiedeln. Dies wird ohnehin nicht gelingen, da Orchideen auf sehr spezielle Bedingungen angewiesen sind, die in Gärten meist nicht vorhanden sind.

 

Bitte betreten Sie - auch wenn mitunter die Versuchung groß sein mag - solche Standorte nicht, um nicht kleine Exemplare zu übersehen und versehentlich zu zertreten.

 

Freuen Sie sich stattdessen lieber einfach daran, dass es bei uns diese wunderbaren Blumen (die übrigens das größte Spektrum unterschiedlicher Blütenformen und Farben aller Pflanzenfamilien haben), noch vereinzelt gibt und unterstützen Sie uns bei unseren Bemühungen, diesen Bestand zu pflegen und zu schützen. (03.2019 [or])

 

Fotos: NABU Büttelborn [OR]


Wildwachsende Orchideen rund um Büttelborn


Schwertblättriges Waldvöglein (Cephalantera longifolia)

"Waldvöglein": ein ungewöhnlicher Name für eine schöne, reinweiße Orchidee, die bei uns rund um Büttelborn noch vereinzelt zu finden ist.

 

Sie kommt auf kalkhaltigen, lockeren und humusreichen Boden in sommerwarmen und geschützten Lagen mit Büschen und Bäumen vor, gedeiht jedoch auch auf Standorten mit Trockenrasen.

 

Ihre Wuchsform variiert stark und ist vom anstehenden Boden, der Lichtmenge oder der örtlich vorherrschenden Beschattung abhängig.

 

Mitte Mai öffnet die bis zu 60cm hohe Pflanze ihre bis zu 27 leicht geöffneten Blüten, bildet jedoch im Oktober leider nur sehr wenige Samen. (03.2019 [OR])

Foto: NABU Büttelborn (OR)

Fotos: NABU Büttelborn (OR)


Bocksriemenzunge (Himantoglosum hircinium)

Wildbienen stören sich offenbar an dem eher gewöhnungsbedürftigen Geruch dieser markanten heimischen Orchidee nicht allzu sehr – sie riecht, oder soll man sagen stinkt stark nach Ziegenbock. Sie, die Wildbienen nämlich, sind es, die diese bis zu einem Meter hohe Orchidee bestäuben.

 

Eindrucksvoll ist jedenfalls ihre Blüte, die ab Mai bis zu 120 Einzelblüten hat. Ihre Laubblätter welken schon vor der Blüte, treiben jedoch im Herbst bereits wieder aus und überdauern den Winter. Langlebigkeit ist indes keine der herausragenden Eigenschaften der Bocksriemenzunge, ist sie doch nach wenigen Jahren bereits erschöpft und geht dann ein.

 

Sie liebt kalkreichen, lockeren Boden auf Magerrasen, in Gebüschen oder stickstoffarmen, extensiv bewirtschafteten Wiesen und fühlt sich in unserem relativ warmen südhessischen Klima mit vergleichsweise seltenen Spätfrösten wohl. Die Bocksriemenzunge war die „Orchidee des Jahres 1999“. (03.2019 [OR])

Foto: NABU Büttelborn (OR)

Fotos: NABU Büttelborn (OR)


Sumpfstendelwurz (Epipactis palustris)

Diese hübsche Orchidee ist in Mitteleuropa noch verbreitet und wächst auf Sumpfwiesen, in Flachmooren oder auf Waldlichtungen auf kalkhaltigem, sickerfeuchten

Boden.

 

Sie ist lichtliebend und auf eine niedrige Vegetation oder eine regelmäßige Mahd angewiesen. Aus den bis zu 50 cm langen Blütenstielen entsprießen Ende Juni bis zu 20 Blüten.

 

Die Vermehrung erfolgt über einen ausläufertreibenden Wurzelstock sowie durch Samen. Die Sumpfstendelwurz war die „Orchidee des Jahres 1998“ (03.2019 [OR])

Foto: NABU Büttelborn (OR)

Fotos: NABU Büttelborn (OR)