Obsternte und Kelter

Logistik ist gefragt

 

Wann ist der richtige Zeitpunkt für den Erntetermin der Äpfel und Birnen? Steht die mobile Kelteranlage wieder zur Verfügung – wenn ja: wann? Wo ist ein geeigneter Platz zum Keltern? Welche Helfer könnten zu welchem Zeitpunkt bei der Ernte helfen? Sind – abhängig von der zu erwartenden Erntemenge - mehrere Erntetermine erforderlich und wie viele sogenannte „bag-in-box“ werden voraussichtlich benötigt?  

Nun, es ist manchmal nicht ganz so einfach, alles punktgenau zu planen. Meist gilt es einen guten Kompromiss zu finden, denn auch Äpfel – zumal in dieser Sortenvielfalt wie sie auf der Streuobstwiese zu finden ist – reifen nun einmal nicht alle gleichzeitig. Manche Sorten wie der „Klarapfel“ kommen für das Keltern gar nicht erst in Frage, denn im Herbst sind sie schon längst nicht mehr am Baum: sie sind meist schon im Juli erntereif. Andere Sorten erliegen bereits der Schwerkraft und fallen teilweise schon in die Wiese unter den Bäumen.

Und die Vielen, die noch an den Ästen hängen, wollen auch geerntet sein. Hier ist Geschick und manchmal auch einfach nur schiere Muskelkraft (Schütteln) gefragt, um sie in goldenen Apfelsaft verwandeln zu können. Gesammelt wird nur für Saft geeignetes Obst, faule Früchte werden konsequent von der „Veredelung“ ausgeschlossen – sicherlich auch ein Garant für einen Spitzen-Apfelsaft.

Fotos: NABU Büttelborn (R/W Bopp)

 

Aber, keine Sorge, der NABU hat natürlich auch ein großes Herz für die Tiere und belässt einen ausreichenden Teil des Obstes als Futtervorrat für die unterschiedlichen Tiere an den Bäumen bzw. als Fallobst auf der Wiese liegen.

Foto: NABU Büttelborn (hä)
Foto: NABU Büttelborn (hä)

 

Ja, und wenn es ein besonders gutes Apfeljahr war, stellen wir auch regelmäßig mit Obst gefüllte Kisten vor unsere NABU Streuobstwiese, aus der sich Spaziergänger oder vorbei-joggende Mitbürger gerne eine kleine vitaminreiche und wohlschmeckende Stärkung mitnehmen dürfen.

Jetzt gibt’s Druck

Wenn alles gesammelt, in Kartoffelsäcke verpackt, zum Kelterort verbracht wurde und die benötige Mannschaft und Infrastruktur vorhanden ist, kann’s endlich losgehen: die Kelter.

 

Die Äpfel kommen säckeweise auf das Förderband der mobilen Kelterstation, werden zuerst automatisch gewaschen und dann zerkleinert. Nun wird jeweils eine definierte Menge auf die „Pressmatten“ gefüllt und diese werden für die hydraulischen Presse aufeinandergestapelt.

 

Dann geht’s los mit dem Druck. Rein mechanisch gewonnen, fließt nun der Apfelsaft direkt zum Pasteurisieren in einen Tank. Darin wird er ganz kurz auf ca. 80° C erhitzt um ihn dadurch für einen längeren Zeitraum haltbar zu machen und eine Gärung zu unterbinden. Ein „Stöffchen“ daraus machen kann man nun nicht mehr.... 

 

Fotos: NABU Büttelborn (R/W Bopp/hä)

Der Runde kommt ins Eckige

Jetzt folgt der Abschnitt, der regelmäßig für sehr warme Hände sorgt: der noch heiße Saft wird – ohne Einschluss von Luft – hygienisch in Kunststoffbeutel verfüllt und anschließend in entsprechenden Karton-Boxen verpackt.

Das „bag-in-box“ Prinzip ist zwar leider nicht 100% umweltfreundlich (Kunststoffbeutel mit Kunststoffzapfventil) und auch relativ teuer, jedoch ist es für uns die einzige Möglichkeit, den Saft transportgerecht und haltbar abzufüllen.

Die drei bzw. fünf Liter Boxen werden dann auf Hänger verladen und harren bis zum Büttelborner Weihnachtsmarkt auf die weitere Verwendung.

Die Einnahmen aus der Vermarktung des selbst gekelterten Apfelsaftes im Rahmen des NABU Verkaufsstandes auf dem Weihnachtsmarkt ist ein wichtiger Bestandteil der ehrenamtlichen Vereinsarbeit der NABU Ortgruppe Büttelborn und wir bedanken uns bei allen Saft-Liebhabern, die mit dem Erwerb einer (oder mehrerer Boxen) unsere Arbeit unterstützen.

Ganz nebenbei können sie natürlich aber auch den wirklich leckeren und vitaminreichen Saft genießen – in der winterlichen Jahreszeit sicherlich kein Fehler. [ck/02.2019]

 

Fotos: NABU Büttelborn (R/W Bopp)