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Von Amsel bis Zilpzalp — und warum Wurstbrote plötzlich biologisch sinnvoll wurden

Foto: NABU Büttelborn
Foto: NABU Büttelborn

Traditionelle Vogelstimmenwanderung des NABU Büttelborn mit spannenden Einblicken in die Vogelwelt

Während andere an Christi Himmelfahrt noch friedlich im Bett lagen oder den Bollerwagen startklar machten, hieß es beim NABU Büttelborn bereits um 7 Uhr morgens: „Ohren auf für die Vogelwelt!“ — und das nun schon seit über 50 Jahren.

 

Dabei sah es kurz vor Beginn der traditionellen Vogelstimmenwanderung zunächst gar nicht nach einem erfolgreichen Naturmorgen aus: Noch um 6.40 Uhr prasselte kräftiger Regen über Büttelborn nieder. Doch pünktlich zum Start um 7 Uhr hatte der Himmel ein Einsehen — der Schauer zog weiter, und nach und nach trafen die Teilnehmer ein. Kurz vor sieben hatten sich schließlich rund 80 wetterfeste Naturfreunde eingefunden, um gemeinsam mit Dr. Matthias Werner und Bernd Petri entlang des Landgrabens, der Moorteiche und durch die Bruchwiesen den gefiederten Frühaufstehern zu lauschen.

 

Und die Vögel zeigten sich nach dem Regen erstaunlich gesprächig: Über 40 Arten konnten gehört oder beobachtet werden — von der allseits bekannten Amsel bis hin zum kleinen Zilpzalp, dessen Name praktischerweise schon wie sein Gesang klingt. Besonders aufmerksam lauschten die Teilnehmer allerdings nicht nur den Vögeln, sondern auch den spannenden Geschichten dazu. Für viele überraschte und amüsierte Gesichter sorgte die Erklärung zur sogenannten „Fremdbegattung“ bei Blaumeisen: Rund die Hälfte der Jungvögel stammt nicht vom eigentlichen Meisenmännchen, das später fleißig bei Brutpflege und Fütterung mithilft, sondern wird häufig vom Nachbarvogel gezeugt. Diese pikanten Einblicke ins scheinbar so idyllische Familienleben der Blaumeisen kamen bei den Teilnehmern besonders gut an und sorgten unterwegs immer wieder für schmunzelnde Kommentare.

 

Damit die verschiedenen Gesänge leichter im Gedächtnis bleiben, wurden sie mit humorvollen Merksprüchen erklärt. Besonders beliebt: die Goldammer mit ihrem unverwechselbaren „wie-wie-wie-hab-ich-dich-liiiiieeeeb“, das bald von vielen Teilnehmern schmunzelnd mitgesprochen wurde.

 

Auch optisch hatte die Exkursion einiges zu bieten. Über mitgeführte Spektive konnten die Teilnehmer unter anderem einen Schwarzspecht bei der Gefiederpflege beobachten, einen Zilpzalp sowie einen Trauerschnäpper bei der Reviermarkierung und ein Schwarzkehlchen aufmerksam auf Insektenjagd erleben. Immer wieder blieb die Gruppe stehen, um die kleinen Naturschauspiele aus nächster Nähe zu bestaunen.

 

Unter den beobachteten Arten waren mit Eisvogel, Blaukehlchen, Pirol, Drosselrohrsänger und Rotmilan auch einige besondere Highlights vertreten, die entlang der Büttelborner Feuchtgebiete ideale Lebensräume finden. Auch der selten zu hörende Seidensänger sorgte bei den Vogelkundlern für besondere Aufmerksamkeit.

 

Doch nicht nur die Vogelwelt stand im Mittelpunkt. Auch zahlreiche Pflanzen entlang des Weges wurden erklärt — ihre heilende Wirkung, Besonderheiten und teils kuriose Namensgebungen sorgten ebenfalls für viele interessierte Nachfragen.

 

Nach gut zweieinhalb Stunden endete die Wanderung schließlich bei Familie Werner — und dort wartete bereits die nächste Attraktion: Die fleißigen Helfer hatten ein reichhaltiges Buffet vorbereitet. Hausmacher Wurstbrote, Käse, verschiedene Aufstriche und selbstgebackener Kuchen sorgten dafür, dass niemand hungrig blieb. Bei heißem Kaffee und Tee konnten sich die Teilnehmer wieder aufwärmen, stärken und die Erlebnisse des Morgens gemütlich ausklingen lassen.

 

Die Hinweise der Exkursionsleiter zur wichtigen Energieversorgung während der Brutzeit nahmen die Teilnehmer anschließend offenbar sehr ernst: Beim Frühstück wurde jedenfalls engagiert am eigenen Wärmehaushalt gearbeitet — schließlich will auch beim Menschen die Fettverbrennung funktionieren.

 

So zeigte sich einmal mehr: Für Naturbegeisterung braucht es weder Sonnenschein noch warme Temperaturen — manchmal reichen schon ein Zilpzalp, ein Schwarzspecht und eine gute Scheibe Hausmacher Wurstbrot. [ch 05/26]

 


Vogelstimmenwanderung 14.5.2026 - Gehörte und gesehene Vögel:

  1. Amsel
  2. Blässhuhn
  3. Blaukehlchen
  4. Blaumeise
  5. Buchfink
  6. Buntspecht
  7. Dorngrasmücke
  8. Drosselrohrsänger
  9. Eisvogel
  10. Elster
  11. Gartenbaumläufer
  12. Gartengrasmücke
  13. Goldammer
  14. Graureiher
  15. Hausrotschwanz
  16. Kleiber
  17. Kohlmeise
  18. Kuckuck
  19. Mönchsgrasmücke
  20. Nachtigall
  21. Neuntöter
  22. Nilgans
  23. Pirol
  24. Rabenkrähe
  25. Rauchschwalbe
  26. Ringeltaube
  27. Rotkehlchen
  28. Rotmilan
  29. Schwarzkehlchen
  30. Schwarzmilan
  31. Schwarzspecht
  32. Seidensänger
  33. Singdrossel
  34. Stockente
  35. Sumpfrohrsänger
  36. Teichrohrsänger
  37. Trauerschnäpper
  38. Waldbaumläufer
  39. Weißstorch
  40. Zaunkönig
  41. Zilpzalp
  42. Zistensänger