Verstärkter Kranichzug über Südhessen  – Rast in den Büttelborner Bruchwiesen

Die meisten Bürgerinnen und Bürger im Kreis Groß-Gerau haben es sicherlich mitbekommen. In den letzten Tagen sind Zehntausende von Kranichen über Hessen gezogen. Hauptzugtage waren der 30.10., der 31.10 und der 1.11. Außergewöhnlich stark verlief der Zug über Südhessen. Zieht in den meisten Jahren der Großteil der Kraniche von den Sammelplätzen in Nordost-Deutschland weiter nördlich durch Hessen, so waren in diesem Jahr außergewöhnlich viele Kraniche über Südhessen unterwegs.

 

Die Kraniche, die in Südhessen vorbei kommen, stammen zumeist von dem international bedeutsamen Schlaf- und Sammelplatz Linum in Brandenburg. Die Kraniche halten sich hier vor ihrem Abzug meist über mehrere Wochen auf. Der Impuls für den Wegzug sind meist Ostwetterlagen, wobei die großen Vögel als aktive Flieger den Rückenwind nutzen, um sich möglichst energiesparend auf die Reise in ihre Winterquartiere auf der iberischen Halbinsel zu begeben. Der Volksmund sagt, dass, wenn die Kraniche ziehen, sich kaltes Wetter und der Winter ankündigt. In manchen Regionen werden die Kraniche daher auch „Schneegänse“ genannt.

 

Die Kraniche beginnen ihren Zug meist in den frühen Morgenstunden in Nord-Ostdeutschland und erreichen Südhessen oft nachmittags. Bei guten Witterungsverhältnissen fliegen die Kraniche in manchen Jahren „in einem Rutsch durch“ bis nach Spanien. Auch nachts hört man dann die eindringlichen „Gruu-Gru“-Rufe. Die Kraniche ziehen in großen Verbänden von bis zu mehreren Hundert Tieren. Die Vögel halten über ihre Rufe Kontakt. Da die Vögel im Familienverbund ziehen, kann man bei aufmerksamen Hinhören sogar Alt- und Jungvögel an den Stimmen unterscheiden.

 

Treffen die ziehenden Kraniche auf Schlechtwetterfronten oder herrschen ungünstigere Zugbedingungen rasten die Kraniche auf ihrem Zug. Es ist dann sehr wichtig, dass geeignete Rastgebiete zur Verfügung stehen. Es handelt sich zumeist um Feuchtgebiete, wo die Kraniche im flachen Wasser stehend, „fuchssicher“ übernachten.

 

In den letzten Jahren ist es immer mal wieder vorgekommen, dass Kraniche in kleineren und größeren Trupps in den „Bruchwiesen bei Büttelborn“ und in anderen Feuchtgebieten des Hessischen Rieds übernachteten. Vor wenigen Jahren wurden einmal sogar 5.000 Kraniche bei der Rast in den Altneckarschlingen bei Büttelborn beobachtet.

 

Die Büttelborner NABU-Mitglieder Wilhelm Bopp, Bernd Kreim und Ortwin Ruschitschka waren in diesem Jahr von dem Naturschauspiel begeistert: Sie konnten am 5.11. ausgiebig einen rastenden Trupp von rund 80 Kranichen in den Bruchwiesen beobachten.

Kraniche sind sehr scheu sind und halten z.T. Fluchtdistanzen von mehreren hundert Metern ein. Insbesondere auf frei laufende Hunde reagieren die Vögel sehr sensibel. Beim Auffliegen kommt es zu unnötigen Energieverlusten. Die Energiereserven werden aber für den langen Zug in die Winterquartiere benötigt. Da in der nächsten Zeit möglicherweise weitere Kranich-Trupps und auch andere Zugvögel wie Gänse und Kiebitze im hessischen Ried rasten, bittet der NABU die Bevölkerung im Kreis Groß-Gerau darum, sich im Umfeld von rastenden Vögeln sehr vorsichtig und rücksichtsvoll zu verhalten.